Gerade habe ich eine wunderschöne interaktive Karte für Zeitungen aller Art entdeckt: newspapermap.com. Ganz vollständig ist sie nicht, aber das Prinzip des Crowdsourcing schafft sicher auch hier Abhilfe, deshalb der Aufruf: Tragt alle fleißig eure Lokalblätter ein. Und auch vielleicht Zeitungen die es nicht mehr gibt, denn es gibt auch historische Karte (allerdings nur in der englischen Version).
Helmuth Plessner und das Bewusstsein Teil I
Die Frage nach der Konstitution des Bewusstseins ist seit jeher eine der grundlegendsten Fragen, mit der sich die Geisteswissenschaft beschäftigt. Durch die Fortschritte in der Hirnforschung hat die Diskussion auf diesem Gebiet wieder Fahrt aufgenommen, wobei die neurobiologische Forschung wohl kein neues Menschenbild zur Folge haben wird, denn im Grunde wurde jedes Konzept schon einmal durchdacht. Vielmehr lassen sich durch die moderne Hirnforschung bestehende Theorien verifizieren und so deren Anschlussfähigkeit für weitergehende Forschung unter Beweis stellen oder aber eben auch falsifizieren.
Im Falle Helmuth Plessners bietet sich aus meiner Sicht die interessante Möglichkeit des Anschlusses an seine Arbeiten, denn seine Theorie lässt sich durch die Hirnforschung kaum widerlegen. Es fehlen ihr nach wie vor die nötigen Belege für die Entstehung des Bewusstseins. Eine mögliche Erklärungs ist die Annahme, dass es an einem Punkt der Evolution des menschlichen Gehirns die mentale Kapazität zunahm und so neue Funktionen hinzukamen, dessen Entstehung man noch durch Emergenz erklärt.
Und da Helmuth Plessner auch gar nicht danach trachtet, die phylogenetischen Entstehung von Bewusstseins zu untersuchen, sondern viel mehr die aktuellen Gegebenheiten des menschlichen Seins im Blick hat und auf dieser Grundlage eine Anthropologie entwickeln will, die durch die Aufhebung des Leib-Seele Dualismus den Menschen als psychophysisch indifferente Lebenseinheit zu begreifen versucht, ist meiner Meinung nach die Anschlussfähigkeit für die neuere Forschung gegeben. Vor diesem Hintergrund scheint die Auseinandersetzung mit der Plessnerschen philosophischen Anthropologie und der impliziten Bewusstseinstheorie sinnvoll, da seit dem Cartesianismus das Bewusstsein als fundamentales Kennzeichen des menschlichen Seins galt. Und wenn Bewusstsein nach Plessner keine spezifisch menschliche Eigenschaft mehr ist und Helmuth Plessner dem „alte[n] Schema, welches die Bewußtheit dem Menschen vorbehalten wollte und den Tieren nur Bewußtlosigkeit, den Automatismus der Reflexe zugestand“1 Falschheit unterstellt, stellt sich die Frage, wie dann noch die besonderen Eigenschaften und Fähigkeiten, die scheinbar nur Menschen besitzen, letztlich also der Unterschied zwischen Mensch und Tier, zu erklären ist.
Helmuth Plessner
Im Jahr 1892 in Wiesbaden geboren, begann Helmuth Plessner 1910 sein Studium, zunächst in den Fächern Medizin und Zoologie. Mit seinem Wechsel zu Husserl nach Göttingen lässt sich die Philosophie jedoch als Mittelpunkt seines Interesses erkennen. Nach Promotion (1916) und Dissertation (1918) habilitierte Helmuth Plessner 1920 mit der Schrift: Untersuchungen zu einer Kritik der philosophischen Urteilskraft.2 1933 wurde Plessner von der Universität Köln als „Halbjude“ entlassen und emigrierte in die Niederlande, bis er 1943 von der deutschen Besatzungsmacht erneut aus dem akademischen Kreis ausgeschlossen wurde.3 Nach Emigration und Flucht vor den Nationalsozialisten übernahm er 1952 als 60jähriger die Professur für Soziologie in Göttingen. Dort trieb er den Aufbau des Faches voran und in seinen vielen weiteren Funktionen, wie z.B. als Präsident der Gesellschaft für Soziologie oder der Gesellschaft für Philosophie, leistete er Integrationsarbeit, indem er zwischen den Remigranten und den Daheimgebliebenen vermittelte. Weil es Helmuth Plessner verstand zu provozieren, argumentieren und faszinieren diente er der modernen Soziologie als Anreger und das vor allem durch das Einbringen der philosophischen Anthropologie, durch die Auseinandersetzung mit Arnold Gehlen, der Existenzphilosophie und der Kritischen Theorie. Bekannt wurde er unter anderem mit der im Exil entstandenen Deutschlandstudie Die verspätete Nation, die zu einer noch heute gebräuchlichen Metapher für Deutschland wurde, die jedoch selten eng mit dem Namen Helmuth Plessner verbunden wird. Neben dieser Studie gelten DieStufen des Organischen und der Mensch als Plessners Hauptwerk und sind der systematische Versuch einer Philosophie des Lebendigen, die die Grundlage für Plessners philosophische Anthropologie bildete. Nach langer schwerer Krankheit starb Helmuth Plessner 1985 in Göttingen. Kurz vor seinem Tod konnte er noch die Veröffentlichung seiner Gesammelten Werke miterleben. Mehr zu Helmuth Plessners Biografie und seinen Werken auf den Internetseiten der Helmuth Plessner Gesellschaft.
Die philosophische Anthropologie
Wenn man nach dem Stichwort philosophische Anthropologie sucht4 , so begegnen einem in der Hauptsache drei Autoren: Helmuth Plessner, Arnold Gehlen und Max Scheler. Während die beiden letzt genannten, aber vor allem Gehlen, massiv die Rezeption der philosophischen Anthropologie dominierten, wird Helmuth Plessner erst seit einigen Jahren wieder größere Aufmerksamkeit zu teil. Es wird immer wieder versucht, diesen drei Autoren und einigen anderen Einheitlichkeit zu unterstellen. Um dem Vorwurf der Unterstellung von Einheitlichkeit, wie es z.B. Joachim Fischer von Jens Hacke in der Süddeutschen Zeitung vom 28.07.08 vorgeworfen wird, zu entgehen, sei an dieser Stelle der Hinweis gestattet, dass trotz der scheinbaren Einheitlichkeit neben Plagiatsvorwürfen auch sonst wenig Einigkeit im Autorenkreis der philosophischen Anthropologie herrschte, die begrifflichen und logischen Bestimmungen jedoch eine gewisse Schnittmenge aufweisen.
Die philosophische Anthropologie verstand sich als Denkansatz der Entzauberung der Lebensphilosophie. Mit dem Versuch eine empirische Philosophie jenseits von Neukantianismus und Heideggerscher Existenzphilosophie zu erschaffen verschrieb sich die Philosophische Anthropologie einer empirisch stichhaltigen Bestimmung des Menschen.5
Arnold Gehlen, Max Scheler und Helmuth Plessner, aber auch andere Vertreter der philosophische Anthropologie, nahmen im Rückgriff auf Nietzsche, der den Menschen als das nicht festgestellte Tier bezeichnete, die These der Lebensphilosophie von der sensomotorischen Unspezialisiertheit und der Weltoffenheit des Menschen auf und entwickelten, in Abgrenzung zu mechanistischen Vorstellungen des Lebens, ihre Philosophie, mit der sie die Reduktion des Lebens auf Nützlichkeit und Rationalität kritisieren.
Mit jedem der drei Autoren lassen sich Begriffe verbinden, die sich sichtbar gut ergänzen und so die oben genannte Schnittmenge bilden. So ist Max Scheler der Meinung, der Mensch zeichne sich durch seine spezifische Weltoffenheit aus, für Helmuth Plessner ist der Mensch ein exzentrisches Wesen auf der Stufe der exzentrischen Positionalität und hat mit der natürlichen Künstlichkeit und der vermittelten Unmittelbarkeit seiner selbst zu kämpfen und Arnold Gehlen sieht den Menschen als Mängelwesen, das sich in der Kultur eine zweite Natur schafft, um für Entlastung und Kompensation seiner Defizite zu sorgen.
Allen drei geht es also darum, die Sonderstellung des Menschen als Lebewesen mit all seinen Eigenschaften und Fähigkeiten, aber auch Unzulänglichkeiten, die eben nicht allein in der rein biologischen Bestimmung des Lebendigen zu fassen sind, zu begreifen.6
In Teil II werde ich die Stufen des Organischen behandeln, in Teil III werde ich mich um die Plessnersche Bewusstseinskonstruktion kümmern, um in Teil IV einen Ausblick für mögliche theoretische Anschlüsse an Plessner zu liefern.
- Plessner, H. (1982) Lachen und Weinen. Eine Untersuchung der Grenzen des menschlichen Verhaltens, in: Plessner, H. (1982) Gesammelte Schriften VII. Ausdruck und menschliche Natur, Frankfurt am Main: Suhrkamp (S. 200–387), S.350. [↩]
- vgl. Haucke, K. (2000) Plessner zur Einführung. Hamburg: Junius. [↩]
- vgl. Dietze, C. (2006) Nachgeholtes Leben. Helmuth Plessner 1892–1985. Göttingen: Wallenstein. [↩]
- Hier ist die philosophische Anthropologie als Denkrichtung des 20. Jahrhunderts gemeint und nicht etwa die anthropologischen Überzeugungen früherer Denker seit der Antike, die ebenfalls häufig unter diesem Stichwort zusammengefasst werden. [↩]
- vgl. Hacke, J. (2008): Suche nach Wirklichkeit. Eine Beziehungsgeschichte der Philosophischen Anthropologie, In: Süddeutsche Zeitung: 28.07.2008 [↩]
- vgl. Fischer, J. (2008) Philosophische Anthropologie. Eine Denkrichtung des 20. Jahrhunderts. Freiburg u.a.: Verlag Karl Alber & Internetseiten der Helmuth Plessner Gesellschaft [↩]
K.I. vs. Google
Was aus dem Journalismus in Zeiten des Internets werden wird kann keiner Vorraussagen, aber Aber hier hat sich Übermorgen TV eine Zukunftsversion einfallen lassen, die ganz schwer an die Kapitalismusanalyse eines gewissen Karl Marx erinnert. Irgendwann wird sich das System gegen sich selbst richten und anschließend ist alles wieder im Lot mit einer herrlichen blühenden besseren Zukunft.
Woher bekommt der Journalismus nur sein Geld?
Die viel beschworene Medienkrise und der Einbruch der Werbeeinnahmen durch die großen Verlagshäuser lassen die Publizisten Land auf Land ab über finanzielle Nöte klagen. Vor allem das Internet soll daran Schuld sein, weil niemand mehr für Inhalte bezahlen will. Doch eine Lösung ist in Sicht. Unter dem Stichwort Micropayment werden von verschieden Akteuren im Netz ganz unterschiedliche Wege der Bezahlung für Inhalte ausprobiert. Und weil gerade im Bereich der immateriellen Güter der “Wert” gegen Null tendiert ist es angebracht über eine neues Bezahlsystem nachzudenken, dass keine hohen Kosten verurschacht, wie die übliche Überweisung oder Kreditkartenzahlung.
Wenn dann zum Micrpayment auch noch eine soziale Komponente hinzukommt, dann spricht man vom Social Payment, denn hier bezahlt man nicht um den Inhalt überhaupt zu bekommen, sondern weil man den Inhalt honorieren will und hofft dadurch weiterhin eben so guten Inhalt präsentiert zu bekommen.
Thomas Haseloff hat die Idee des Social Payment im Rahmen seiner Diplomarbeit am Beispiel Flattr einmal genauer untersucht und für die Berliner Gazette seine Resultate zusammengefasst. In seinem Beitrag erläutert Haseloff unter anderem, dass Internetnutzer diese Form des Bezahlens für bereits erhaltenen Inhalt ablehnen, weil sie das System nicht verstehen würden und dass der Anreiz fehlen, für etwas zu bezahlen, was man bereits bekommen habe. Warum letzteres dennoch funktioniert erklärt sich Haseloff durch die “die gefühlte Bindung zwischen Spender und Content-Produzenten”.
Stellt sich dann die Frage für wen Social Payment Dienste tatsächlich interessant sein könnten. Für Blogger? Allemal, denn hier besteht das Potenzial für den Aufbau einer persönlichen Binung in höherem Maße, als bei einer Tageszeitung die die meisten Nutzer wohl eher Lesen ohne auf den Namen dens Autors zu schauen. Allerdingshaben großen Tageszeitungen das Zeichen der nötigen Binung schon vor Jahrzehnten (oder Jahrhunderten?) erkannt, denn ein Abonement als Idee unterscheidet sich letztlich nicht sonderlich von Flattr, denn auch hier muss eine Bindung zum Akteur aufgebaut werden und auch hier wird das eingenommene Geld am Ende unter all denjenigen verteilt, die beteiligt waren das Produkt abzuliefern einziger Unterschied: Sie schreiben alle unter einem Dach.
Flattr könnte genau dieses Dach werden. Eine großer Verlag für alle Tageszeitungen, Wochenzeitungen, Magazine zusammen. Und wenn wir wirklich Glück haben, dann könnte es soweit kommen, dass auch wissenschaftliche Paper auf diese Weise veröffentlicht werden, denn seien wir mal ehrlich: 32 Euro für ein Paper von dem ich nichtmal weiß ob ich es verwenden kann bevor ich es gelesen habe und dessen Forschung meist auch noch von öffentlicher Hand bezahlt wurde, also von mir als Steuerzahler und für das ich anschließen noch einmal bezahlen soll? Nein danke und zum Glück bin ich noch Student.
Ob sich dieses Konzept des erst bekommen und anschließend zahlen behaupten kann, dass werden wir abwarten müssen, doch eines ist sicher: Lieber einen Cent für einen Artikel, als gar keinen Cent.
Übrigends: Wenn sich die Film– und Musikindustrie von den Ideen eine Scheibe abschneiden würde, und jeder der 400000 kino.to Nutzer täglich nur einen Cent spenden würden für jeden Film oder jede Serie, dann müssten auch die Filmemacher und Produktionsfirmen weniger zetern.
Update 9.6.2011
Es sind mittlerweile zu meinem eigenen erstaunen 4 Millionen Nutzer täglich was meine These von oben nocheinmal unterstreicht. Hier eine kurze Rechnung:
4 Million Nutzer täglich x 10 Cent pro Film/Serie = 400.000 Euro am Tag = 146 Millionen Euro pro Jahr. Und niemandem würden diese 10 (lass es 20 sein) Cent weh tun!
Fazit alle haben verstanden, dass es im Internet um Masse geht, nur die werten Damen und Herren der Filmbranche nicht, denn die wollen lieber nichts verdienen als 146 Millionen, denn wenn man ein Angebot günstig und legal macht, dann nutzen es genügend Leute, so dass letztenendes hinten mehr Geld raus kommt. PS. Und wer die gute HD Qualität will, der kauft sich trotzdem DVD oder Blueray!
Experimente mit Schokoeiern
Gerade habe ich auf dem Blog von Florian Freistetter einige Links zum Thema Experimente mit Ostereiern von der Universität Nottingham gefunden, die Wissenschaftler bei der Arbeit zeigen.
Eines davon möchte ich euch auch hier präsentieren:
Wenn ihr schon davon beeindruckt wart, dann sollte ihr auf Florians Blog weiterlesen, denn dort hat er noch viele andere Experimente zusammengestellt, die unter anderem zeigen wie sich Schokoeier verhalten, wenn man sie gegen eine Wand schleudert oder wenn man sie schockgefrostet mit einem Hammer bearbeitet.
